21.03.2026

Nicht vorbei. Nur anders.

Es gibt definitiv ein Davor.
Ein leichtes, beinahe gedankenloses Sein,
in dem die Tage sich aneinanderlehnten wie die ersten warmen Tage im Frühling—
zögernd noch, aber voller Versprechen,
und nichts daran fragte, wie zerbrechlich das alles ist.

Und dann gibt es das Danach.
Ein Wort, das viel zu klein ist für das,
was es in sich trägt.

Seitdem ist alles geteilt.
Nicht sichtbar.
Nicht laut.
Nur noch diese Stille—
die keine ist.

Und ich kenne diesen Riss.
Dieses lautlose Brechen in dir,
das niemand hört—
und das gerade deshalb so unerträglich laut wird.

Du stehst auf.
Du gehst.
Du funktionierst.

Und trotzdem bleibt stets etwas in dir zurück.

Die Sonne geht auf—ja.
Unerschütterlich.
Unbeteiligt.

So wie sie es immer tat.

Doch sie erreicht dich nicht mehr ganz.
Ihr Licht streift dich nur noch,
als hätte es vergessen,
wie es dich einmal umschmeichelt hat.

Und auch die schönen Dinge sind nicht mehr unberührt.
Ein feiner, dunkler Schleier liegt über allem,
und immer ist da diese innere Stille—
schwer, drückend, als würde sie sich in jeden Gedanken legen.

Du lachst vielleicht—
und im selben Moment zieht sich etwas in dir zusammen.

Weil es sich falsch anfühlt.
Weil ein Teil von dir flüstert,
du dürftest das nicht mehr.

Als würdest du etwas verraten,
wenn du für einen Augenblick nicht mehr ganz daran zerbrichst.

Ich kenne das.

Dieses vorsichtige Glück.
Dieses Zurückhalten von Freude,
als müsste sie leiser sein als die Stille,
die dich begleitet.

Manchmal ist sie so laut,
dass sie dich nachts wach hält.
Dass selbst deine Gedanken keinen Raum mehr finden,
weil sie alles ausfüllt.

Manchmal fühlt es sich an,
als würdest du an einem See stehen,
der früher still war—

klar genug, um dich selbst darin zu erkennen.

Jetzt ist seine Oberfläche gebrochen.
Kreise ziehen sich ohne Ursprung,
und selbst wenn alles ruhig scheint,
ist nichts mehr wirklich still.

Du blickst hinein—
und siehst Tiefe,
die dir nichts zurückgibt.

Und vielleicht fragst du dich,
ob das jemals aufhört.

Ob dieses Danach jemals leichter wird.

Und ich werde dir nichts vormachen:

Der Schmerz geht nicht mehr fort.

Er verschwindet nicht,
niemals wirklich.

Er bleibt.
Aber er verändert sich.

Auch diese Stille verändert sich.
Sie hört auf, dich zu erdrücken,
und beginnt, Raum zu lassen—
für einen Atemzug,
für einen Gedanken,
für einen Moment,

der nicht nur aus Vermissen besteht.

Und vielleicht ist genau das der Raum, der entsteht.
Denn deine Trauer ist kein Ende.

Sie schafft einen Raum—
geformt aus Liebe, die zwar keinen Geliebten mehr hat
sich aber deshalb in dir ausbreitet.

Ein Raum,
in dem alles weiterlebt,
einfach anders.

Und irgendwo—
nicht heute, vielleicht lange nicht—
wird etwas Neues in dein Leben treten.

Leise.
Ungefragt.
Unaufdringlich.
Ein Moment, der dich berührt,
ohne dich zu überfordern.

Ein Gedanke, der bleibt,
ohne dass du ihn festhalten musst.

Ein Gefühl, das sich neben die Stille legt—
ohne sie zu vertreiben,
aber auch ohne sich von ihr verschlucken zu lassen.

Und du wirst zögern.

Weil jeder Schritt nach vorn
sich anfühlt wie ein Schritt weg.

Doch das ist die leise Lüge der Trauer:

Du gehst nicht weg.
Du gehst weiter—
mit allem, was war.

In. Dir. Drin.

Du trägst es.
Anders.

Wie ein See,
der bewahrt, was in ihn hinein gefallen ist—
nicht sichtbar an der Oberfläche,
aber unauslöschlich in seiner Tiefe.

Für immer.

In deinen Blicken.
In deiner Art zu fühlen.
In den Momenten, in denen du innehältst,

während die Welt sich einfach weiterdreht.

Ja, es wird Tage geben,
an denen alles wieder aufreißt.
An denen die Stille zurückkehrt—
laut,
drängend,
ohne Platz für irgendetwas anderes.

An denen es sich anfühlt
ganz genauso wie am Anfang.
Roh.
Unfassbar.
Und Endlos.

Aber selbst dort—
im tiefsten Dunkel—
gibt es etwas, das bleibt.

Kein großes Licht.
Kein Trost, der alles heilt.
Nur ein leises, kaum spürbares

Weiter.

Ein Atemzug inmitten der Stille.
Und das reicht.
Für diesen Moment.
Für diesen Atemzug.

Denn du musst nichts beweisen.
Du musst nichts überwinden.
Du. musst. nicht. stark. sein.

Es reicht, dass du da bist.
Immer noch.

Und wenn du magst—
ganz vorsichtig—
dann nimm (m)eine Hand.

Nicht, um dich herauszuziehen.
Nicht, um dich zu verändern.
Nur, um dich ein Stück weit zu begleiten.

Bis zu dem Moment, in dem du wieder lauthals lachst—
und es sich nicht mehr wie eine Schuld anfühlt,
welche noch niemals deine war.

Sondern wie etwas,
das geblieben ist.

Dann wirst du verstehen—

Es ist nicht vorbei.

Nur anders.

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